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Die Rasenden, Schauspielhaus Hamburg
(Text)

18.01.2013, Theaterkritik, nachtkritik.de

Das ganz Große

Hamburg, 18. Januar 2014. Hätte der Abend die Dramaturgie seines Vorlaufes halten können – es wäre ein großer geworden. Nicht nur dass das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg nach langem Dornröschenschlaf endlich frisch renoviert wiedererweckt werden sollte, für den Prinzenkuss hat man ja auch Ihre Hoheit Karin Beier aus Köln einbestellt, für ihre dortige Intendanz zweimal mit „Theater des Jahres“ dekoriert (und unzählige Male „Theatermutter des Jahres“). Bereits zur Eröffnung im November wollte sie ihre „Rasenden“ zeigen, aber ein herabstürzender Eiserner Vorhang sorgte auch noch für das perfekt retardierende Moment und steigerte die Neugier ins Unermessliche.

Dass die berichterstattenden Medien (einschließlich nachtkritik.de) dieses Spiel von Anfang an (mit-)spielten, ist die eine Sache. Die andere ist, dass sich Karin Beier – wie schon in Köln – voll auf ihren Hype einlässt und seit geraumer Zeit ein grausames Wettrüsten anzettelt: Vor ihrem Weggang aus Köln war der vorläufige Höhepunkt eine Jelinek-Trilogie mit opulentem Sprechchor und Schlammteich auf der Bühne. Und nun wird Hamburg mit einem Antiken-Marathon, bestehend aus „Iphigenie in Aulis“, „Die Troerinnen“, „Elektra“ und zwei Dritteln der „Orestie“, einem Konzert für Streichorchester und Chor, über 100 Mitwirkenden und einem 158 Seiten dicken Programmheft in die Besinnungslosigkeit gespielt. Hamburg wollte das ganz Große. Und bekam es. Erst die Elbphilharmonie, jetzt auch Karin Beier.

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