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Club Inferno, Volksbühne Berlin
(Text)

9.3.2013, Theaterkritik, nachtkritik.de

Die Toten ficken die Lebenden

Berlin, 9. März 2013. Vom Wodka benebelt liege ich auf dem Bett, als Marcy vor mir zu tanzen anfängt. Ob sie für mich strippen kann, frage ich. Wortlos fängt sie an, im Séparée ihr Kleid herunterzuziehen, in der Enge reiben ihre Knie an meinen. Neben mir auf dem Bett sitzt eine andere Tänzerin, sie hat die Eieruhr mit den fünf Minuten in der Hand. Fünf Minuten lang wird Marcy alles machen, was ich sage. Ich habe sie beim Glücksrad gewonnen, für einen lächerlichen Euro Einsatz.

Etwas zaghaft lässt Marcy ihren BH fallen. Ob ich ficken will, werde ich gefragt. Sie könne mir auch einen blasen. Ich glaube, sie würde es machen. Aber irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, dass ich es danach bereuen würde. Dann, wenn ich den „Club Inferno“ wieder verlassen und wieder auf die trostlose Straße in Berlin-Wedding treten würde, wo gerade die Bullen ein paar Halbstarke vor einer Bar filzen. Dann würde ich mich verkatert umdrehen, und müsste damit klarkommen, dass ich gerade in einer von der Volksbühne veranstalteten Performance-Installation Oralsex mit einer Darstellerin gehabt hätte, neben der auf dem Bett sitzenden Signa Köstler, der Namensgeberin der Künstlergruppe Signa…

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